Zero Zucker: Es geht auch ohne – Interview mit Dominique Bachmann

Zero Zucker: Es geht auch ohne – Interview mit Dominique Bachmann

Inspirationen
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Dominique verzichtet auf Zucker. Und nein. Nicht so, wie wohl die meisten von uns, wenn wir uns doch einmal dazu durchringen „Nein, danke!“ zu einem Stückchen Schokolade zu sagen oder wenn wir statt 200g nur 100g Zucker in den Kuchen fürs Wochenende geben.

Copyright: Dominique Bachmann

Dominique hat Zucker komplett aus ihrer Ernährung gestrichen. Und, dass das nicht nur eine Phase ist, zeigt sich daran, dass sie das schon seit 2016 macht. Ihren Weg ins zuckerfreie Leben hat sie in ihrem Blog dokumentiert. Hier teilt sie mit ihren Lesern und Leserinnen ihre Erfahrungen, Hintergrundinformationen und eigene Rezeptkreationen zum Nachkochen und -backen.

Im Interview gibt uns Dominique Einblicke in ihr zuckerfreies Leben, wie sie die Umstellung gemeistert hat und mit welche Tipps und Tricks auch Sie es schaffen können – vielleicht nicht 100%-prozentig – aber ihren Alltag ein bisschen weniger süß zu gestalten.

 „Zuckerfreies Leben“ ist leicht gesagt. Doch was steckt dahinter?

Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen: Es ist der isolierte, industriell hergestellte Zucker, der uns krank und dick macht. Durch die Aufnahme von isolierten Zuckerarten geschieht dieser Vorgang blitzschnell, da die Bremswirkung von Begleitstoffen wie Vitamine und Ballaststoffe fehlt. Durch den andauernden Verzehr von zuckerhaltigen Speisen, ist der Kreislauf überfordert und die Vorräte werden in der Leber als Glykogen, eine platzsparende Form von Stärke, für eine Hungersnot eingelagert. Diese wird vermutlich nie eintreffen, weshalb es als Fett weiter im Körper ausgelagert wird. Noch gefährlicher ist der (isolierte) Fruchtzucker, da dieser den Zellen keine Energie liefert und für den Körper damit wertlos ist. Daher wandert er direkt in die Leber, die sich nun um den Abbau kümmern muss. Auch diese kann kaum etwas damit anfangen und wandelt den Zucker direkt in Fettsäuren um, welche sich dann an die Organe haften. So entsteht beispielsweise eine nichtalkoholische Fettleber.

Damit möchte ich nicht sagen, dass Früchte grundsätzlich vom Speiseplan gestrichen werden sollen, aber jeder Einzelne sollte bewusst auf den Verzehr achten. So geht es auch mit allen anderen Lebensmittel: Alles was industriell hergestellt wird, ist meistens mit Zucker angereichert, da er als Geschmacksverstärker und zur längeren Haltbarkeit dient. Ein zuckerreduziertes Leben verlangt also eine größere Achtsamkeit und braucht etwas Ausdauer bei der Zubereitung der eigenen Rezepte. 

Der Entschluss ist gefasst: Wir wollen auf Zucker verzichten! Wie sollen wir die Sache jetzt angehen?

Bevor mit dem Zuckerentzug losgelegt wird, ist es ratsam, dass man erst einmal die eigenen Essgewohnheiten unter die Lupe nimmt. Oft sind es nämlich nicht die offensichtlichen Schokoriegel und Kekse, die den täglichen Zuckerkonsum in die Höhe treiben. Es sind vielmehr alltägliche Produkte, die vermeintlich gesund aussehen wie z.B. ein Obst-Smoothie, ein Knuspermüsli mit Honig, Wurstwaren oder Fruchtjoghurt. Wichtig ist, dass man nicht von Hundert auf Null herunterfährt, da sich dies wie eine Diät anfühlen würde. Die Ernährungsumstellung sollte jedoch langfristig sein, deshalb sollte man sich auch entsprechend Zeit geben. 

Welche Mahlzeiten stehen bei dir zum Beispiel an einem zuckerfreien Tag auf dem Speiseplan?

Zum Frühstück esse ich gerne ein warmes Porridge mit frischen Früchten und Nüssen. Als Mittag- und Abendessen schaue ich auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, allenfalls etwas Fleisch aber auch Kohlenhydraten in Form von Dinkelpasta, Reis oder Kartoffeln. Mir ist es wichtig, dass ich nach wie vor Kohlenhydrate aus Vollkorngetreide und Dinkel esse. 

Copyright: Dominique Bachmann mit Christian Verlag

Dominique Bachmann mit Christian Verlag

Gerade am Anfang ist die Umstellung sicherlich sehr aufwändig. Wie integriert man diesen doch schon sehr umfangreichen Wandel in seinen Alltag?

Während des Entzugs war der Alltag schwierig, weil ich jede Packung umdrehen musste und die Inhaltsstoffe studiert habe. Ich musste mir das Essen neu beibringen. Das war sehr zeitraubend und frustrierend, weil ich im Supermarkt nichts fand und vieles selber machen musste. Heute ist eher die Nachlässigkeit das Problem. Ich muss mich regelmäßig an der Nase nehmen, nicht die Produkte zu kaufen, die einfacher in der Zubereitung sind. Es ist die fertige Tomatensauce, nicht der Kuchen, die mir Schwierigkeiten bereiten.

Leider sind es ja auch oftmals die kleinen Snacks zwischendurch, die die Zuckerbilanz in die Höhe treiben: Was empfiehlst du als kleinen Lückenfüller am Arbeitsplatz zum Beispiel? Ist Obst als „süßer Snack“ erlaubt?

Bei mir am Arbeitsplatz liegt meistens eine große Tüte mit Nusskernen und Mandeln. Diese kann man sich beispielsweise auch selber im Backofen rösten und mit Paprika oder Curry würzen. Natürlich geht auch ein Stück Obst z.B. einige Himbeeren, eine Aprikose oder eine Orange. Ideal zu Obst wäre z.B. ein griechischer Naturjoghurt, da dieser viel Fett und Proteine enthält und damit der Abbau des Zuckers gebremst wird. 

Copyright: Dominique Bachmann

 

Dass Zucker abhängig macht ist mittlerweile jedem bekannt. Welche Tipps hast du, um den Zuckerentzug zu überstehen? Was ist dir am schwersten gefallen bei der Umstellung?

Ich muss zugeben, die ersten Tage waren nicht einfach. Jedoch startete ich das Experiment zusammen mit meiner Mutter. Eine Komplizin zu haben, hilft ungemein. Wir telefonierten täglich und berichteten von neuen Erkenntnissen, sei dies von kürzlich entdeckten Zuckerfallen oder einem der Nebeneffekte. Es gab Tage, an denen wir am liebsten alles hingeschmissen hätten und die Lust nach Süßem fast die Überhand nahm. Es war jedoch erstaunlich, wie schnell sich der Körper an den neuen Umstand gewöhnte. Ich erinnere mich noch heute daran, wie ich mich auf einmal nicht mehr vom süßen Verlangen fremd gesteuert fühlte. Meine Geschmacksknospen auf der Zunge veränderten sich, nahmen Geschmäcke intensiver wahr und Süßes schmeckte auf einmal viel zu süß. Eine solche Veränderung bewusst im Körper zu spüren, macht es einem einfacher, die Balance zu finden. 

Wer sich aber erst einmal mit einer zuckerfreien Ernährung zurechtgefunden hat und bei wem das Verlangen nach Zucker nicht mehr vorhanden ist, kann natürlich auch einmal eine Ausnahme machen. Ich merke dabei immer schnell, dass es mir viel zu süß ist und überhaupt nicht mehr schmeckt – eine spannende Erkenntnis. 

Zuckerfreies Leben: Ganz oder gar nicht? – Was hältst du von diesen zahlreichen „Zuckerfrei-Challenges“, die im Netz rumgeistern?

Ich halte mehr von einer langfristigen Ernährungsumstellung und empfinde Zuckerfrei-Challenges eher als Stress für den Körper. Bei einer solchen Challenge wird der Zucker meistens von einem auf den anderen Tag gestrichen und entsprechend stark zeigen sich die Entzugserscheinungen. Die Folge ist, dass man schnell in eine Unterzuckerung fällt, was starke Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit auslösen kann. Da eine solche Challenge nach spätestens einem Monat endet, verfällt man innerhalb kürzester Zeit wieder in die alten Muster, da man sich kaum eine langfristige Ernährungsstrategie erarbeitet hat. Da ist es meiner Meinung nach sinnvoller, wenn jemand bewusst gewisse Mahlzeiten zuckerfrei gestaltet, aber auch bewusst ein Stück Schokolade genießt. 

Copyright: Dominique Bachmann mit Christian Verlag

Wer mehr über Dominiques Leben ohne Zucker erfahren oder sich selbst von ihren zuckerfreien Rezepten überzeugen will, dem empfehlen wir ihr neues Buch. „Ohne Zucker. 40 Rezepte für ein zuckerfreies Leben.“  ist im stationären Buchhandel sowie auf Amazon und buecher.de für 14,99 Euro erhältlich.

 

Wir bedanken uns bei Dominique für das spannende Gespräch und wünschen ihr weiterhin viel Erfolg!

Ariane

Ariane arbeitet bei Nokia Health als Brand Marketing Specialist und betreut hier die Pressearbeit. Ihr Ziel ist es, dass Sie in der Zeitung einen Artikel über unsere Produkte lesen. In ihrer Freizeit erkundet Ariane die bayerische Natur oder ist mit einem Buch auf dem Balkon zu finden.
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